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Positive Energie mitten im Jobcenter

Erstellt von Ulrich Diehl |

Die Klangsirenen traten mit ihrem Programm „Arbeitsagentur" dreimal in der IGS-Aula auf

GlNSHEIM (pm) - Eigentlich war der Rahmen dieser Konzerte zu bescheiden gewählt. Die Bühne der IGS-Aula in Ginsheirn mag heimelig eng sein, auf den Sitz.reinen davor ist die Kapazität aber doch sehr beschränkt, so dass die „Klangsirenen" ihr neuestes Konzertwerk am Wochenende gleich drei Mal aufführen mussten, um den Andrang der Zuhörerinnen und Zuhörer einigermaßen zu erfüllen. Die wurden von den 18 Sängerinnen zu ihrem Schrecken in die höchst bürokratische Welt der Arbeitsagenturen versetzt. Denn, so der dramaturgische Faden des Jahreskonzerts des „betörend schön" singenden Ginsheimer Chores, die Sängerinnen mussten sich dem Jobcoach Kai Jobbs (Michael Marx) im Rahmen färer Arbeitsvermittlung einzeln präsentieren und ihm erklären, was sie bernflicb so vorhaben und zu bieten haben. Der Staatsdiener erlebte es dann viele Male, dass die Frauen aber lediglich „geschwätzige" Überleitungen zu den Gesangsstücken vortrugen, womit sieb die eigentlichen Stärken der Arbeitssuchenden offenbarten. Begleitet durch die Livemusik von Robert Karasek (Piano), Maximilian Mörke (Bass) und Rainer Rumpel (Schlagzeug) und dirigiert von Chorleiter Ulrich Diehl - der aber nicht als Mann weiter stören wollte und sich deshalb eine Vollhaar- Perücke wie aus dem KarnevalsbedarfRamschladen übergestülpt hatte - führten die Klangsirenen durch eine abwechslungsreiche Auswahl an Chansons und aktueller Hits. Die Klangsirenen teilen sieb in ihrer aktuellen Besetzung gleichmäßig in je sechs Sopran-, Mezzo- und Altstimmen auf. Aber in allen Stimmlagen ist das Markenzeichen des Chores vor allem das Versenden positiver Energie. Die Auswahl des Liedguts ist die Grundlage dafür, denn ein Song wie,) was made for Loving You" der Gruppe „Kiss·', der reißt einfach mit. Aber auch flir Balladen war vor allem bei den Einsätzen der Solosängerinnen Platz. Die Stücke wirkten durchweg gut umgesetzt und für ein Ensemble wie das der Klangsirenen passend transformiert und souverän vorgetragen. Dass bei den Sirenen, die sich in jüngster Zeit durch einige Neuzugänge verjüngt haben, weiter auch ei.ne Menge Bühnenerfahrung vorhanden ist, bewies vor allem Solistin Ellen Ribbe. Als ie in der abschließenden, dritten Aufführung mit ihrem Tom Waits-Song „Martha" bei der zweiten Strophe einen Texthänger hatte, moderierte f :_ dies souverän weg, bis das richtige Stichwort zurück in die Spur half. Das hum~rig aufgebaute Konzept der textlichen Ein- und Oberleitungen ließ die Dam~n vor dem Agentur-Coach ziemlich klischeehaft weiblich dastehen, was mir den hervorragenden gesanglichen Darbietungen nicht recht zusammenpasste. Das kompensierte zu einem Gutteil wenigstens 'ein männliches Pendent: Reinhard Meys ,.Männer im Baumarkt", eine allzu treffende Beschreibung der nicht immer überzeugenden Performance der Handwerker der Schöpfung in den Baumärkten dieser Republik. wurde als besondere Einlage des Trios Ulrich Diehl, Peter Haupt und Bruno Peuser stark bejubelt. Man ahnt, welch ein Probenaufwand nötig gewesen sein muss, um das Jahreskonzert von der Auswahl der Songs über die gesangliche Probearbeit und das Einstudieren der Arrangements zur Konzertreife zu bringen. Immer schade, dass diese Projekte dann in so kurzer Zeit mit den Aufführungen zu Ende gehen. Aber die Welt dreht sich immer weiter. Flexibilität zu beweisen, wird schließlich auch von den Jobberatern der Arbeitsagenturen dringend empfohlen. Und so werden die Klangsirenen sich nun ihren nächsten Aufgaben widmen.

Zeitungsartikel im Mai 2017, von gus/Fotos Steinacker

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